(18.04.2021 17:48)Stollrak schrieb: [ -> ]..und zwar hab ich folgendes Problem und wollte mal fragen ob ihr dagegen Tipps oder Tricks habt.
Und zwar man hat eig viel zutun (Lernen, Haus putz etc) aber man kann sich einfach nicht motivieren und sitz bloß da und macht nichts, bzw geht sinnlos von a nach b und wieder zurück und ruck zuck ist der Tag um. Man macht noch nicht mal was schönes Buch lesen o.ä sondern macht einfach nichts.
Hallo Stollrak,
das was Du hier beschreibst ist eines der Hauptprobleme für Menschen die von einer ADHS betroffen sind. Die meisten von uns leiden unter einer erheblichen Beeinträchtigung der exekutiven Funktionen, die wir zwingend dafür benötigen, Aufgaben zu erledigen, die eben weder spannend noch schön oder kurzweilig sind.
Dazu gehören leider zum Beispiel die Fähigkeit, Handlungsabläufe zu planen, ein gutes Arbeitsgedächtnis, sich selbst beim Handeln beobachten/kontrollieren, Prioritäten setzen, flexibles Handeln etc.
All das kann sich unsereins mühevoll aneignen, braucht dafür aber wesentlich mehr Kraft und Disziplin. Vor allem, wenn nicht von Kindesbeinen an trainiert wurde, was anderen um ein Vielfaches leichter fällt, sind Chaos und Frustration leider meist vorprogrammiert.
Zeitmanagement, Selbstdisziplin, Dranbleiben an der Aufgabe, Belohnungsaufschub....sind auch bei mir immer wieder ein schwieriges Thema.
Mal hilft diese Strategie und mal jene bei mir, aber leider nichts wirklich dauerhaft und schon gar nicht immer wieder gleich gut. Darauf hoffte ich viele Jahre, dass es DEN Weg für mich gibt, um auch nur annähernd das zu schaffen, was Menschen ohne ADHS oder sonstige Beeinträchtigung hinbekommen. Auch für mich geht es leider gar nicht mehr ohne Medikation, dass ich so halbwegs meinen Alltag und vor allem Arbeitsalltag bewältigt bekomme.
Dennoch gibt es natürlich hier und da Hilfmittel und Tricks, mit denen ich mich auch besser aktiviert bekomme.
Eines davon fällt mir sogar spontan ein:
Zum Beispiel nutze ich immer wieder die "Wecker-Methode". Das heißt, dass ich eine Eieruhr auf 15 min stelle und dann gezielt etwas von den eher leidigen Aufgaben mache, um dann weitere 15 oder auch 30 min etwas für mich angenehmes zu tun/tun zu dürfen.
15 min hört sich wenig an, dennoch ist es immer wieder erstaunlich, wieviel ich in der kurzen Zeit doch geschafft bekomme, was sich sonst nicht selten über Stunden hin zieht.
Und wenn ich so einige Intervalle oder auch nur zwei davon hinter mir habe, ist meine Stimmung auch schon wieder sehr viel besser und ich vergesse oft, mit der Eieruhr weiter zu machen, weil ich dann in der Spur bin, die ich brauchte.
Auf jeden Fall ist es immer besser ein wenig geschafft zu haben, als eben gar nicht!
Denn ein schönes Buch lesen etc. erlaube auch ich mir nicht wirklich (meist unbewusst), wenn ich ständig im Hinterkopf habe, was ich ganz dringend erledigen müsste, aber schon wieder nicht mache!!
Oder aber es besteht die Gefahr, dass ich mich mit allerlei Zeugs ablenke und dann abends einen Stimmungsabsturz bekomme, weil ich mich wegen meiner Unfähigkeit schlecht fühle. Unter Stimulanzien kommt das wesentlich seltener vor, aber es kommt weiterhin vor, dass ich schlechtere Tage habe.
Da hilft bei mir lediglich
radikale Akzeptanz und die Hoffnung, dass der nächste Tag mehr Kraft und Motivation für mich bereit hält.
